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Gus Hall
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Gus Hall (* 8. Oktober 1910 im Cherry Township, Minnesota als Arvo Kustaa Hallberg (auch: Arvo Kusta Halberg);cite-ref-anb-1-0[1] â 13. Oktober 2000 in New York City; weitere Alternativnamen: John Hollberg, Gaspar Hall, Arvie Hallbert)cite-ref-tribune-2-0[2] war ein US-amerikanischer Politiker der Kommunistischen Partei der USA (CPUSA). Von 1959 bis sieben Monate vor seinem Tod war er deren Generalsekretär. Innerhalb der CPUSA vertrat er eine starke Anlehnung an die Sowjetunion. Bei den Präsidentschaftswahlen 1972, 1976, 1980 und 1984 war Hall Präsidentschaftskandidat der CPUSA.
Contents
⢠Leben
⢠Kritik
⢠Mitwirkung
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Leben
Herkunft und Jugend
Hall war das fĂźnfte von zehn Kindern finnischer Einwanderer aus der Gegend von Lapua und kam in der Mesabi Range, einer ländlichen Region im Nordosten Minnesotas, zur Welt. Diese vom Bergbau geprägte Region galt als ein Zentrum finnischer Immigranten mit teilweise radikalen politischen Ansichten.cite-ref-barkan-3-0[3] Den finnischen Akzent seiner Heimat legte er nie ab.cite-ref-tribune-2-1[2] Schon seine Eltern Matt, ein Bergmann,cite-ref-4[4] und Susannah Hallberg waren Kommunisten, Mitglieder der Gewerkschaft Industrial Workers of the World und entstammten laut Hall Familien, die seit Generationen Radikale und Revolutionäre als Familienmitglieder hatten.cite-ref-5[5] In den USA diente ihr Haus auch als Ăbernachtungsstation fĂźr durchreisende Kommunisten.cite-ref-6[6] Sein Vater beteiligte sich im Jahr 1919 an der GrĂźndung der CPUSA.cite-ref-wsws-7-0[7] Aus diesem Grund wurde Matt Hallberg auf eine Schwarze Liste (Blacklist) gesetzt, was fĂźr ihn bedeutete, dass ihm als Bergmann alle Chancen auf Anstellung genommen waren. Durch diese erzwungene Arbeitslosigkeiten hungerte, nach Halls AusfĂźhrungen, die Familie stets.cite-ref-nyt-8-0[8] Im Alter von 15 Jahren verlieĂ er nach der achten Klasse die Schule und arbeitete im Nordwesten Minnesotas als Holzfäller, um seine Eltern finanziell unterstĂźtzen zu kĂśnnen.cite-ref-anb-1-1[1] 1927 trat Hall mit 17 Jahren wohl auch auf Grund einer Werbung seines Vaters in die Jugendorganisation der CPUSA ein, die Young Communist League (YCL),cite-ref-nyt-8-1[8] deren Organisator fĂźr den nĂśrdlichen mittleren Westen er innerhalb eines Jahres wurde.cite-ref-anb-1-2[1]
Beginnende politische Karriere
Von 1931 bis 1933 konnte Hall nach einer internen Auswahl der CPUSA in Moskau an der internationalen Lenin-Schule studieren. Dort soll er auch Guerillataktiken sowie VerwendungsmĂśglichkeiten der Sabotage gelernt haben.cite-ref-nyt-8-2[8]cite-ref-spartacus-uk-9-0[9] Nach seiner RĂźckkehr nach Minnesota nahm Hallberg an einem vom Trotzkisten Farrell Dobbs organisierten Streik teil, woraufhin er â wie bereits sein Vater â auf die Blacklist gesetzt wurde und seinen Namen ändern musste, da er keine MĂśglichkeit mehr sah, unter seinem alten Namen Geld zu verdienen. Als neuen Namen wählte er Gus Hall, der sich recht stark an seinem zweiten Namen Kustaa und seinem Nachnamen Halberg orientierte. Diesen Namen trug er ab dem Jahr 1935 auch gerichtlich bestätigt.cite-ref-anb-1-3[1] Im Jahr 1934 saĂ er insgesamt sechs Monate im Gefängnis, weil er Krawalle bei einem Streik der Lkw-Fahrer in Minneapolis verursacht haben soll.cite-ref-anb-1-4[1] Zu dieser Zeit engagierte er sich nach seiner Anwerbung durch den GewerkschaftsfĂźhrer John L. Lewiscite-ref-10[10] fĂźr die Gewerkschaft CIO, vor allem in Warren und Niles, zwei Stahlzentren des nĂśrdlichen Ohio. Den grĂśĂten Erfolg seiner gewerkschaftlichen Karriere hatte Hall 1937, als er Mitorganisator des Little Steel Strike war. Dieser Streik richtete sich gegen die kleineren Stahlproduzenten ("little steel"), die, anders als ihre grĂśĂeren Konkurrenten, keinen Tarifvertrag mit den Gewerkschaften abschlieĂen wollten. Nachdem es einen Sprengstoffanschlag auf Republic Steel, einen Hauptgegner des Streiks, gegeben hatte, wurde Hall als Verdächtiger verhaftet und bekannte sich des illegalen Besitzes und Transports von Sprengstoff schuldig,cite-ref-11[11] weswegen er zu einer Strafe von 500 $ verurteilt wurde. Hall kandidierte, bereits als hauptberuflicher Funktionär der CPUSA, unter dem Namen Arvo Gus Halbergcite-ref-independent-12-0[12] als Kandidat der CPUSA fĂźr einen Sitz im Stadtrat von Youngstown, Ohio, und fĂźr das Amt des Gouverneurs von Ohio.cite-ref-nyt-8-3[8] Nach dieser Wahl wurde Hall zu einer 90-tägigen Haftstrafe wegen Wahlfälschung verurteilt.cite-ref-13[13] 1942 beteiligte er sich an der GrĂźndung der United Steelworkers, die sich bis zu seinem Tod zu einer der grĂśĂten Industriegewerkschaften Nordamerikas entwickelte.
Nachkriegsjahre und Aufstieg an die Spitze der CPUSA
Als die USA in den Zweiten Weltkrieg eintraten, unterbrach Hall seine aktive Partei- und Gewerkschaftskarriere, um sich bei der US Navy freiwillig fßr den Kriegsdienst zu melden. Diesen Schritt vollzog er angeblich, da er sich als Antifaschist verstand und dies im aktiven Kampf gegen den Faschismus beweisen wollte.cite-ref-nachruf-der-dkp-14-0[14] Dass die CPUSA dies nicht negativ bewertete, lag daran, dass sie sich seit dem Angriff auf Pearl Harbor fßr Patriotismus aussprach. Seit dem Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges im Juni 1941 und der dadurch vollzogenen Aufkßndigung des Hitler-Stalin-Paktes durch die Nationalsozialisten trat die Komintern erneut fßr den Volksfrontgedanken ein, da die UdSSR der Anti-Hitler-Koalition beitrat. Hall war in Guam stationiert und als Mechaniker tätig. 1944, noch während seines Kriegseinsatzes, wurde er in Abwesenheit in das National Committee der CPUSA gewählt.cite-ref-anb-1-5[1] 1946 wurde er ehrenhaft entlassen und im selben Jahr als einer von mehreren jungen Veteranen in das National Executive Board, das nächsthÜhere Parteigremium, berufen.cite-ref-anb-1-6[1] Dies gelang, nachdem die Partei einen weiteren Linksruck durchlebte, welcher ihren damaligen Vorsitzenden Earl Browder isolierte und zu dessen Entmachtung fßhrte.
ZwĂślf kommunistische ParteifĂźhrer wurden am 22. Juli 1948 auf Grundlage des Alien Registration Act, besser bekannt als Smith Act, angeklagt. Das Verfahren gegen den herzkranken William Z. Foster wurde abgetrennt. Das Hauptverfahren begann am 17. Januar 1949 und dauerte Ăźber neun Monate. Die Angeklagten Eugene Dennis, Henry Winston, John Williamson, Jacob Stachel, Gus Hall, Benjamin Davis, John Gates, Irving Potash, Gil Green und Carl Winter wurden der VerschwĂśrung gegen die Regierung fĂźr schuldig befunden und zu Haftstrafen von fĂźnf Jahren und 10.000 Dollar GeldbuĂe verurteilt. Robert G. Thompson erhielt als hochdekorierter Soldat zwei Jahre Gefängnis weniger.cite-ref-anb-1-7[1]cite-ref-nyt-8-4[8]cite-ref-cnn-15-0[15] Als das Oberste Gericht die VerfassungsmäĂigkeit des Smith Act am 4. Juni 1951 mit 6 zu 2 Stimmen bestätigte, traten Gus Hall, Henry Winston, Gilbert Green und Robert G. Thompson ihre Haftstrafe Anfang Juli nicht an (die Partei verlor 80.000 Dollar Kaution). Hall, der 1950 in das zweithĂśchste Parteiamt gewählt wurde und auch kommissarischer Generalsekretär war,cite-ref-16[16] versuchte angeblich, nach Moskau zu fliehen, wurde aber am 8. Oktober 1951 in Mexiko von Polizei aufgegriffen und an der Grenze bei Nuevo Laredo dem FBI Ăźbergeben. Dorothy Healey, die Hall vor einer Flucht nach Mexiko gewarnt haben will, zeigte sich Ăźberrascht Ăźber das Ignorieren dieses Hinweises durch Hall.cite-ref-17[17] Thompson, der in Californien gefasst wurde, und Hall erhielten eine Zusatzstrafe von drei Jahren, die er im Bundesgefängnis Leavenworth, einem Hochsicherheitsgefängnis in Kansas, verbĂźĂte, sein Zellennachbar war Machine Gun Kelly.cite-ref-nyt-8-5[8] Nach seiner Entlassung reiste er 1959 durch die USA, vorgeblich als Urlauber, um seine Wahl zum Generalsekretär und damit die Abwahl von Eugene Dennis vorzubereiten.cite-ref-healey-isserman-172-18-0[18] FĂźr diesen Posten galt Hall längere Zeit nicht als Favorit, gleichwohl er bereits in den frĂźhen 1950er-Jahren kurzfristig Generalsekretär war, als Dennis inhaftiert war.cite-ref-healey-isserman-172-18-1[18]
1959 gelang Hall nach seiner Freilassung in einer fĂźr kommunistische Parteien ungewĂśhnlichen Kampfkandidatur gegen seinen frĂźheren Mentor William Z. Foster tatsächlich der Aufstieg zum Generalsekretär der CPUSA. Hall gab als Ziel fĂźr seine Zeit als Generalsekretär eine Demokratisierung der Partei an.cite-ref-nyt-8-6[8] Dieses Amt hatte Hall bis zu seiner Abschaffung inne; von 1962 bis wenige Monate vor seinem Tod vertrat er die Organisation auĂerdem als Parteivorsitzender. Während seiner mehr als 40 Jahre währenden Amtszeit als Generalsekretär beziehungsweise Vorsitzender gelang es ihm jedoch nie, den politischen Einfluss seiner Partei auf nationaler Ebene nennenswert zu vergrĂśĂern; die Partei schrumpfte stattdessen, konnte aber zusammengehalten werden. Zu Beginn seiner Amtszeit als Generalsekretär versuchte Hall in den 1960er-Jahren, die CPUSA zu gewaltlosen Protesten zu bewegen und eine Anbindung an die Studentenproteste zu erreichen. In dem zweiten Punkte sollte er sich als erfolglos erweisen, während mithilfe des ersten auch der Kampf gegen die FortfĂźhrung der McCarthy-Ăra gelang.cite-ref-nyt-8-7[8] Bei der Präsidentschaftswahl 1964 unterstĂźtzte die Partei den Wahlkampf von Lyndon B. Johnson, um den Sieg des konservativen Senators Barry Goldwater zu verhindern.cite-ref-19[19]
Präsidentschaftskandidaturen und Ende der politischen Karriere
| Wahljahr | Vizekandidat | Erhaltene Stimmen (absolut) | Erhaltene Stimmen (%) |
|---|---|---|---|
| 1972 | Jarvis Tyner | 25.597 | 0,03 % [ 20 ] |
| 1976 | Jarvis Tyner | 58.709 | 0,07 % [ 21 ] |
| 1980 | Angela Davis | 44.933 | 0,05 % [ 22 ] |
| 1984 | Angela Davis | 36.386 | 0,04 % [ 23 ] |
1972 entzog die CPUSA der Demokratischen Partei die UnterstĂźtzung bei der Präsidentschaftswahl, da sie mit Hall, der die CPUSA im US-amerikanischen Parteiensystem etablieren wollte,cite-ref-newsru-com-24-0[24] einen eigenen Kandidaten nominierte. Diese Art Strategiewechsel war davor zuletzt 1948 geschehen, als die Partei offiziell dem Präsidentschaftskandidaten der United States Progressive Party, Henry Agard Wallace, das Vertrauen aussprach. Hall war der erste in beinahe allen Staaten antretende Kandidat der KP seit Earl Browder 1940. 1968 kandidierte zwar Charlene Mitchell, jedoch nur in zwei Staaten. Hall konnte nur sehr wenige Wählerstimmen gewinnen, da kommunistische Ideen in den USA nie groĂe Popularität erringen konnten. Hinzu kam, dass die Präsidentschaftskandidaten in einigen Staaten schwĂśren mussten, kein Mitglied der CPUSA zu sein, um zur Wahl zugelassen zu werden, was fĂźr deren Vorsitzenden aus naheliegenden GrĂźnden unmĂśglich war.
Bei seiner ersten Kandidatur erhielt er nur 0,03 % der Wählerstimmen, sein bei viermaligem Antreten geringstes Ergebnis. Unter dem Einfluss der Watergate-Affäre und den damit verbundenen Proteststimmen fĂźr Kleinparteien erreichte er bei seiner zweiten Präsidentschaftskandidatur im Jahr 1976 sein bestes Ergebnis mit 58.709 (0,07 %) Wählerstimmen. Mit diesem fĂźr ihn erfolgreichen Ergebnis erreichte er den achten Platz unter den Kandidaten.cite-ref-independent-12-1[12] FĂźr alle seine Wahlkämpfe wählte Hall als Wahlspruch People before Profits (zu deutsch: Menschen vor Profiten). Als GrĂźnde fĂźr seine Kandidaturen nannte er den Versuch die CPUSA in der amerikanischen politischen Ăffentlichkeit zu etablieren, auĂerdem sollten sie einen symbolischen Protest ausdrĂźcken.cite-ref-barkan-3-1[3] Die erwĂźnschte Etablierung im Parteiensystem gelang ihm nicht, da in seiner Amtszeit die Anzahl der Mitglieder und die Präsenz in der Ăffentlichkeit zurĂźckgingen und die zwei bedeutenden Parteien nie gefährdet waren. Bei seinen beiden Präsidentschaftskandidaturen während der 1980er Jahre kandidierte er gemeinsam mit Angela Davis, die 1992 aus der Partei ausgeschlossen wurde, da sie die Linie Halls nicht mehr komplett vertrat und in dem von ihr mitgegrĂźndeten Committees of Correspondence for Democracy and Socialism dem neostalinistischen Kurs Halls nicht weiter folgen wollte.cite-ref-zeit-25-0[25] Nach der Wahl 1984 nominierte die CPUSA keinen weiteren Kandidaten mehr fĂźr Präsidentschaftswahlen, sie unterstĂźtzte auch keine anderen Parteien,cite-ref-26[26] so blieb Hall bis heute der letzte Präsidentschaftskandidat der CPUSA. Die 1980er Jahre waren fĂźr Hall ein politisch sehr schwieriges Jahrzehnt, weil einer seiner engsten Vertrauten, Morris Childs, der zwischenzeitlich der zweitwichtigste Mann der Partei war und Ăźber den die Finanzierung durch die KPdSU verlief,cite-ref-childs-27-0[27] sich 1980 als langjähriger FBI-Informant erwies. Obwohl die Regierung Childs in ein Schutzprogramm fĂźr enttarnte Agenten aufnahm und Childs 1987 die Presidential Medal of Freedom verliehen wurde, leugnete Hall, dass Childs Agent gewesen sei.cite-ref-anb-1-8[1] AuĂerdem starb 1986 Henry Winston, sein afroamerikanischer Vize im Parteivorsitz, und sein FĂźhrungsanspruch litt unter Unruhen in der schwarzen Parteibasis, die einen neuen schwarzen Vizekandidaten dem weiĂen Favoriten Halls vorgezogen hätte. Das Jahrzehnt endete positiv fĂźr Hall, da er eine wachsende Akzeptanz seiner Person vermutete, welches er unter anderem an Auftritten vor groĂem Publikum ausmachte.cite-ref-fight-28-0[28]
Als er im Jahr 2000 kurz vor seinem Tod das Amt des Parteivorsitzenden zugunsten von Sam Webb niederlegte, wurde er dafĂźr zum Ehrenvorsitzenden ernannt.cite-ref-dkp-29-0[29] Zu dieser Zeit gab es den Posten des Generalsekretärs bereits nicht mehr, sondern nur noch den des Parteivorsitzenden â diese Entscheidung wurde von Hall getroffen, um die Partei amerikanischer zu machen.cite-ref-fight-28-1[28]
Lebensende und Nachwirkung
Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Hall in einem mehrstĂśckigen Haus in Yonkers gemeinsam mit seiner Gattin Elizabeth Hall (geborene Turner; * 1909; â 2003),cite-ref-30[30] die ebenfalls politisch beim Steel Workers Organizing Committee (SWOC) als Sekretärincite-ref-31[31] sowie bei dessen Nachfolgeorganisation, den United Steelworkers, aktiv war. Sie waren seit 1935 verheiratet.cite-ref-anb-1-9[1]
Hall starb am 13. Oktober 2000 im Lenox Hill Hospital in Manhattancite-ref-nyt-8-8[8] New York City, an den Spätfolgen von Diabetes.cite-ref-32[32] Anlässlich seines Todes widmete ihm die New York Times fast eine komplette Seite,cite-ref-nyt-8-9[8] auf dem Sender CNN sprach Wolf Blitzer einen Nachruf auf ihn.cite-ref-newsru-com-24-1[24] Hall hinterlieĂ seine Ehefrau, seine zwei Kinder Barbara und Arvo sowie drei Enkel.cite-ref-cnn-15-1[15] Barbara und Arvo zeigten kein Interesse fĂźr die kommunistischen Ăberzeugungen ihrer Eltern.cite-ref-33[33] Hall konnte sein neuntes Buch nicht mehr vollenden, so dass nur Teile vorhanden sind.cite-ref-pww-nachruf-34-0[34] Er wurde auf dem Forest Home Cemetery in der Nähe Chicagos begraben.cite-ref-pww-nachruf-34-1[34]
Halls Werk Socialism USA gilt seinen Anhängern als Manifest des amerikanischen Kommunismus und dient der CPUSA heute noch als Grundlage und Bill of Rights. Zudem beruft sich der Gus Hall Action Club, ein Blog von Blogger.com, auf ihn.cite-ref-35[35]
Politische Einordnung
Gus Hall galt als Marxist-Leninistcite-ref-barkan-3-2[3] stalinscher Prägung. Als Träger von hohen Orden der Sowjetunion wie dem Leninorden und dem Orden der VĂślkerfreundschaft hatte er den Ruf, einer der Ăźberzeugtesten Vertreter der Interessen und Anliegen der Sowjetunion sowie deren politischen Vorstellungen auĂerhalb des direkten Einflussbereiches der UdSSR zu sein.cite-ref-barkan-3-3[3] Hall verbrachte jedes Jahr bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion einige Zeit in Moskau, deshalb war er auch einer der bekanntesten und, laut einheimischer Presse, bedeutendstencite-ref-panhandling-36-0[36] amerikanischen Politiker in der UdSSR.cite-ref-37-0[37] Dort wurde er von hohen Politikern wie Leonid Breschnew empfangen.cite-ref-pflueger-38-0[38] Des Weiteren konnte Hall bis 1989 jährlich, auch aufgrund persĂśnlicher Initiative, Geld fĂźr die CPUSA aus der UdSSR, welches vom PolitbĂźro genehmigt und durch den KGB Ăźbergeben wurde, sichern.cite-ref-panhandling-36-1[36] Vor diesem Hintergrund verteidigte er auch die Besetzung Prags durch die Sowjetunion 1968 sowie deren Einmarsch in Afghanistancite-ref-39[39] und erkannte das stalinsche Prinzip des Sozialismus in einem Land an,cite-ref-wsws-7-1[7] obwohl er als Kommunist auĂerhalb eines kommunistischen Landes positive Veränderungen fĂźr sich aus einer gewĂźnschten Weltrevolution erwarten konnte. Um die Linientreue seiner Genossen sicherzustellen, lieĂ er diejenigen ausschlieĂen, die weniger orthodoxe Ideen verfolgten oder die sich gegen die vermeintlichen Interessen der Sowjetunion aussprachen. Er bezeichnete Politiker wie Michail Gorbatschow oder Boris Jelzin als âAbbruchunternehmerâ.cite-ref-40[40] Seine Beeinflussung durch die Sowjetunion ging so weit, dass Oleg Kalugin behaupten konnte, der KGB habe die CPUSA und Hall in seiner Hand.cite-ref-41[41] Nach dem Ende des Realsozialismus in Osteuropa trauerte er darĂźber bis an sein Lebensende und setzte sich dafĂźr ein, nun der Linie der nach seiner Auffassung letzten kommunistischen Staaten wie China und Nordkorea zu folgen.cite-ref-37-1[37] Gleichzeitig sah er seine reine Fixierung auf die Sowjetunion nun kritischer und als Fehler an.cite-ref-fight-28-2[28] 1991 formulierte er, nachdem er gefragt wurde, ob er plane, bald wieder in die Sowjetunion zu reisen:
âIf you want to take a nice vacation, take it in North Korea.â
âWenn Sie einen schĂśnen Urlaub nehmen mĂśchten, verbringen Sie ihn in Nordkorea.âcite-ref-nyt-8-10[8]
Umweltpolitisch vertrat Hall die Auffassung, das Umweltproblem sei ein Problem kapitalistischer Systeme; er forderte eine marxistische Untersuchung dieser Problematik.cite-ref-42[42] Zu religiĂśsen Fragen nahm er keine Stellung, da er Ăźberzeugt war, dass âOur fight is not with God, but with capitalistsâ,cite-ref-richter-43-0[43] (zu Deutsch: âUnser Kampf ist nicht gegen Gott, sondern gegen die Kapitalisten gerichtetâ) sei. Da er sich als aktiver Gegner rassistischer UnterdrĂźckung sah, stand er auch der Black Panther Party nahe, deren Sympathisantin Angela Davis zweimal seine Kandidatin fĂźr das Vizepräsidentenamt war. Diese erlangte weltweite BerĂźhmtheit fĂźr ihr Engagement zu Gunsten dieser Gruppierung. Hall war der Ansicht, die CPUSA mĂźsse die Afroamerikaner unterstĂźtzen.cite-ref-44[44]
Kritik
Gus Hall wurde vor allem dafĂźr kritisiert, dass er sich konsequent fĂźr die Linie der Sowjetunion, auch unter dem Regime Josef Stalins, einsetzte, und versuchte, durch ParteiausschlĂźsse und politische Angriffe gegen Trotzkisten vorzugehen. Die UnterstĂźtzung der Linie Stalins gegen den Trotzkismus zeigte sich beispielsweise darin, dass Hall die Verhaftung von fĂźhrenden Anhängern Leo Trotzkis auf Grundlage des Smith Act begrĂźĂte. Einige Jahre nach diesen Vorfällen, Hall hatte in der Zwischenzeit seine durch den Smith Act legitimierte Strafe abgesessen, änderte er seine Meinung und warf sich vor, die Socialist Workers Party (SWP) nicht unterstĂźtzt zu haben.cite-ref-pflueger-38-1[38]
Ehemalige Genossen kritisierten, er habe die zweicite-ref-zeit-25-1[25]cite-ref-panhandling-36-2[36] Millionen Dollar, die er jährlich aus der Sowjetunion von der KPdSU fĂźr die Partei bekam, fĂźr Mietlimousinen und einen eigenen Golfclub und nicht fĂźr die UnterstĂźtzung von inhaftierten Parteigenossen verwendet.cite-ref-45[45] Kalugin behauptete sogar, dass Hall Geld der UdSSR fĂźr sich selbst abschĂśpfte.cite-ref-kalugin-46-0[46] Insgesamt soll die CPUSA, nach Angaben der russischen Zeitung Iswestija, von 1971 bis zu dem Kollaps der Sowjetunion im Jahr 1990 rund 40 Millionen Dollar erhalten haben.cite-ref-nyt-8-11[8] Weiterhin wurde Hall von KGB-Spionen dafĂźr kritisiert, die CPUSA nicht gut genug zu fĂźhren. Deshalb wurde jungen amerikanischen Kommunisten geraten, sich von Hall und der CPUSA zu distanzieren. Die sowjetischen Spione bestritten die Fähigkeit zu revolutionären Aktionen, auĂerdem kĂśnne die Partei aufgrund der guten Ăberwachung durch das FBI nicht an genĂźgend staatliche FĂśrderung gelangen.cite-ref-kalugin-46-1[46]
Eine Gruppierung um den Literaturwissenschaftler Irving Howe kritisierte das Festhalten Halls an seinem Parteiposten sowie die Ăberalterung der CP unter seiner FĂźhrung.cite-ref-fight-28-3[28] Diese Versteifung auf alte Ideologien wurde auĂerdem von Dorothy Healey, einer ehemaligen Vorsitzenden der CPUSA Kaliforniens, angegriffen. Sie war der Meinung, Gus Hall kĂśnne seine Standpunkte nicht ändern,cite-ref-nyt-8-12[8] obwohl er nach der Wahl 1996 eine Neuausrichtung seiner Partei gefordert hatte.cite-ref-47[47]
Vor allem viele Konservative sahen in Gus Hall eine Gefahr fĂźr die USA, so beschrieb J. Edgar Hoover ihn einmal als âa powerful, deceitful, dangerous foe of Americanismâ (englisch fĂźr âein kraftvoller, betrĂźgerischer, gefährlicher Feind des Amerikanismusâ).cite-ref-nyt-8-13[8] Hall wurde fĂźr ein vermeintliches Zitat angegriffen, in welchem er den Tod aller Christen auf eine sehr brutale Art gefordert haben soll. Besonders aus antisemitischen und faschistischen Kreisen wurde ihm dieses â meist mit der auf jegliche Beweise verzichtenden Angabe, Hall sei Jude â vorgeworfen. Solche Angriffe kamen auĂerdem teilweise aus der gemäĂigten Rechten. Tatsächlich stammte dieses Zitat nicht von ihm.cite-ref-boller-george-48-0[48]
Auf der anderen Seite wĂźrdigen Hall bis heute Mitglieder kommunistischer Parteien auf der ganzen Welt, da er im âgefährlichsten imperialistischen Land der Weltâcite-ref-dkp-29-1[29] sein ganzes Leben der Arbeiterklasse gewidmet habe.cite-ref-nachruf-der-dkp-14-1[14]cite-ref-49[49] So bezeichnete Wiktor Anpilow ihn als ein âwahres Symbol des proletarischen Internationalismusâ.cite-ref-50[50]
VerĂśffentlichungen
⢠Peace can be won!. New York: New Century Publishers, 1951.
⢠Our sights to the future. New York: New Century Publishers, 1960.
⢠Which way U.S.A. 1964? The communist view. New York: New Century Publishers, 1964.
⢠On course: the revolutionary process. New York: New Outlook Publishers, 1969.
⢠Imperialism today. New York: International Publishers, 1972, ISBN 0-7178-0303-1.
⢠Ecology: can we survive under capitalism? New York: International Publishers, 1972. ISBN 0-7128-0347-3.
⢠The energy rip-off: cause & cure. New York: International Publishers, 1974, ISBN 0-7178-0421-6.
⢠The crisis of U.S. capitalism and the fight-back. New York: International Publishers, 1975, ISBN 0-7178-0460-7.
⢠Labor up-front in the peopleâs fight against the crisis. New York: International Publishers, 1979, ISBN 0-7178-0565-4.
⢠La crisis de una vida cotidiana, y las victorias en la lucha por superarla. Prag: Agencia de Prensa Orbis, 1979.
⢠Basics. New York: International Publishers, 1980, ISBN 0-7178-0580-8.
⢠For peace, jobs, equality. New York: New Outlook Publishers and Distributors, 1983, ISBN 0-87898-156-X.
⢠Karl Marx, beacon for our times. New York: International Publishers, 1983, ISBN 0-7178-0607-3.
⢠Fighting racism. New York: International Publishers, c1985, ISBN 0-7178-0634-0.
⢠Working class USA. New York: International Publishers, 1987, ISBN 0-7178-0660-X.
Mitwirkung
⢠Communist leadership: "tough guy" takes charge. Washington: U.S. Govt. Print. Off., 1960.
Deutschsprachige Ăbersetzungen
⢠18. Parteitag der Kommunistischen Partei der USA. Dietz, Berlin 1967.
⢠Der amerikanische Imperialismus in der Welt von heute. Dietz, Berlin 1973.
⢠Der Sieg erfordert Kampf. Dietz, Berlin 1973.
⢠XXI. Parteitag der Kommunistischen Partei der USA. Dietz, Berlin 1977.
⢠XXII. Parteitag der Kommunistischen Partei der USA. Dietz, Berlin 1980.
⢠Die Krise des Alltagslebens und deren siegreiche Bekämpfung. Dietz, Berlin 1981.
⢠Zu aktuellen Fragen des Kampfes der KP der USA. Dietz, Berlin 1981.
⢠Ausgewählte Reden und Schriften: 1974â1980. Dietz, Berlin 1982.
⢠Arbeiterbewegung und Klassenkampf in den USA. Dietz, Berlin 1989, ISBN 3-320-01206-1.
Literatur
⢠Peggy Dennis: The Autobiography of an American Communist. L. Hill, Westport 1977, ISBN 0-88208-081-4.
⢠John E. Haynes, Harvey Klehr: Moscow Gold, Confirmed at Last?. In: Labor History, vol. 33 (FrĂźhling 1992), Seiten 279â293. (bezĂźglich der Entgegennahme von Geld der Sowjetunion)
⢠Dorothy Healey, Maurice Isserman: Dorothy Healey Remembers: A Life in the American Communist Party. Oxford University Press, New York 1990, ISBN 0-19-503819-3.
⢠Zweite Auflage: California Red : a life in the American Communist Party, Urbana : University of Illinois Press, 1993. ISBN 0-252-06278-7.
⢠Phillip Bonosky: Gus Hall â Der Lebensweg eines Arbeiters, in Hall: Arbeiterbewegung und Klassenkampf in den USA. Dietz, Berlin 1989, ISBN 3-320-01206-1.
Weblinks
Commons
: Gus Hall
â Sammlung von Bildern
⢠Literatur von und ßber Gus Hall im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Gus Hall im GVK Verbundkatalog
⢠Artikel Halls ßber den US-amerikanischen Sozialismus (englisch)
⢠Artikel der Peoples Weekly World von Gus Hall (englisch)
⢠Gemälde Halls von Alice Neel
⢠Interview von Harold Channer mit Hall; auf Youtube. Länge 58:45 Minuten (englisch)
Einzelnachweise
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